Wo bleibt der Internet-Discounter?

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Foto: Michael Ely cc

Dass Deutsche gerne billig Lebensmittel einkaufen, ist kein Geheimnis. Und dass diese Geiz-is-geil-Mentalität einer der Gründe ist, dass sich efood in Deutschland so richtig etabliert, ist ebenfalls bekannt. Da liegt die Frage nahe: Wieso gibt es eigentlich noch keinen Discounter im Internet?

Die Zielgruppe jedenfalls ist groß genug. Eine im November veröffentlichte Studie von YouGov (unter dem schönen Titel „Aldi meets Amazon“) kategorisiert immerhin 39% aller Kunden als „preisorientiert“. Und diese Aldi-Lidl-Stammkundschaft würde ohne mit der Wimper zu zucken sofort zu einem anderen Händler wechseln, wenn’s dort den Scheibenkäse um drei Cent günstiger gäbe. „Etwa zwei Drittel (63 Prozent) von ihnen geben an, dass wenn das Einkaufen irgendwo anders schneller und einfacher ist, sie das Geschäft wechseln“, schreibt YouGov und meint damit vor allem auch billiger. Das Online-Marktforschungsinstitut sieht eine besonders hohe Wahrscheinlichkeit, dass diese Kunden zukünftig ins Onlinegeschäft abwandern. Was ja in anderen Branchen bereits geschehen ist.

Trockensortiment als Lösungsweg?

Interessant, dass die Billigheimer vom Lebensmittel-Online-Handel noch nicht wirklich ins Visier genommen wurden. So ziemlich jede andere Zielgruppe wurde bislang als Kernkundschaft auserkoren: Die berufstätigen jungen Städter, die keine Zeit zum Einkaufen haben, oder Mütter mit Kindern bzw. Senioren, für die der Einkauf zu mühsam ist. Vielleicht schreckt es, dass bei deutschen Kundinnen und Kunden beim „Lebensmitteleinkauf nach eigenen Angaben Qualität bzw. Frische mit 48 Prozent am wichtigsten“ sei (Zitat YouGov)? Da fragt sich natürlich, was der Kunde unter Qualität versteht: Etwa das, was Markenprodukte versprechen? Oder ist der Preis letztlich doch wichtiger? Immerhin kommt dieser gleich an zweiter Stelle bei den Auswahlkriterien. Und – mal ganz ehrlich – wenn’s billig ist, schaut man auch mal nicht so genau auf’s Etikett und fragt auch nicht nach den Aufzuchtbedingungen der Tiere.

Bei Obst und Gemüse ist die Qualität (scheinbar) auf den ersten Blick erkennbar – und genau dieses Segment ist ja auch eines der großen Problemfelder des Efood-Handels. Auch bei Kühlware (und insbesondere Tiefkühlware) ist die „Qualität“ sofort an der Temperatur erkennbar. Warum also nicht die Frisch- und Kühlware weglassen und dann so richtig über den Preis gehen? So hat es Aldi im stationären Handel in seiner Anfangszeit auch gemacht. Bislang jedenfalls gibt es noch keinen Efood-Anbieter, der sich für die Aldi-meets-Amazon-Strategie entschieden hat.

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Was gäbe es schöneres, als wenn das lästige Anstehen im Supermarkt ein Ende hätte, aber bis der Lebensmitteleinzelhandel online angekommen ist, das wir noch lange dauern.

    Grüße aus München
    Max

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