Wie Bio-Hersteller den Onlinehandel sehen

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Wir haben bei den großen Bioherstellern nach-
gefragt: Was halten Sie von Bio im Internet?

Für den Verbraucher ist es ein Fortschritt, Lebensmittel (und Konsumgüter) bequem am Bildschirm auszusuchen und anschließend ins Haus geliefert zu bekommen. Händler und Hersteller betrachten den efood-Markt hingegen mit anderen Augen – und mitunter auch kritisch. Auch in der Biobranche sorgt der Absatzweg Internet für Diskussionen. Wie stehen die Hersteller von Bioprodukten dem Internet gegenüber? Sehen sie den Internethandel eher kritisch oder eher erfreut? Haben sie gar selbst einen Online-Shop?

Onlinehandel ist ein Nebenschauplatz

Um es gleich vorweg zu sagen: Biohersteller haben ein entspanntes Verhältnis zum Online-Verkauf. So hat zum Beispiel Rapunzel zwar einen eigenen Online-Shop, doch der traditionelle Anbieter sieht diesen eher als Nebenschauplatz. „Wir fördern das nicht, und der Umsatz ist verschwindend gering“, sagt Thomas Richter von Rapunzel. Der Hauptvertriebskanal ist ganz eindeutig der stationäre Fachhandel, aber auch die Online-Biohändler. „Der Haupteffekt des Online-Handels ist die Erhöhung des Bekanntheitsgrades“, stellt Richter fest.

Ob online oder stationär: Fachgeschäft bleibt zentral

Genauso sieht es Thomas Zeidler von PrimaVita (Eden, granoVita). Das Internetangebot ist für ihn vor allem Werbung und Service. „Durch den Online-Biohandel wird eine Zielgruppe angesprochen, die sonst möglicherweise keine Biowaren einkaufen würde – junge Menschen, Menschen, die auf dem Land wohnen und keinen Bioladen in der Nähe haben oder Menschen, die nicht mehr aus dem Haus kommen.“ Ganz klar ist auch für Zeidler, dass das Fachgeschäft nicht ersetzt werden kann durch den Online-Handel. „Das will auch der Kunde nicht.“ PrimaVita betreibt übrigens schon seit 1995 einen eigenen Versandhandel, der seit 2002 auch über das Internet präsentiert wird – dieser Absatzkanal ist also keineswegs neu für die Bayern. byodo hingegen ist ein Neuling im Internethandel. „Wir haben uns Anfang 2013 ganz bewusst für einen eigenen Online-Shop entschieden“, sagt Lucia Neudecker von byodo. „Da wir eine große Produktpalette haben, kann  der Kunde so auf jedes unserer Produkte zugreifen.“ Auch hier also keinerlei Berührungsangst.

Es geht auch ohne eigenen Online-Shop

Andere Anbieter haben sich hingegen gegen einen eigenen Online-Shop entschieden – und werden natürlich trotzdem online vertrieben, durch Online-Biohändler wie deinbiogarten.de, biomondo.de oder bringmirbio.de, aber auch über Plattformen wie Amazon. „Die Absatzzahlen sind aber minimal“, stellt Olga de Gast von Allos fest. Sie macht auf einen kritischen Punkt aufmerksam: „Wie ist das Produkt im Internet abgebildet? Welche Informationen werden zum Produkt geliefert? Wir als Hersteller können die Darstellung unserer Produkte im Onlinehandel kaum beeinflussen.“ Auch Bioland, Hersteller von Biowurst und -fleisch, hat keinen eigenen Online-Shop – der Aufwand für die kühlpflichtigen Produkte wäre zu hoch, meint Margret Drobek von Bioland. „Grundsätzlich bevorzugen wir den klassischen Biofachhandel als Vertriebsweg, da hier auch die Beratungsleistung erbracht und der direkte Kontakt zum Kunden gepflegt wird.“ Ohnehin sei der Umsatzanteil der online vertriebenen Produkte verschwindend gering.

Fazit

Die Absatzzahlen im Online-Handel scheinen in der Biobranche noch immer minimal zu sein; Biohändler im Internet werden dabei von den meisten Anbietern ebenso als Fachhandel angesehen wie stationäre Läden. Auch der eigene Online-Versandhandel trägt nicht wirklich zum Umsatz bei und wird eher als Marketing-Instrument gesehen. Allerdings nicht von jedem Hersteller – es geht auch ohne Online-Shop. Am Ende bleibt so oder so die Frage, ob Bio per Lieferdienst wirklich ökologisch sinnvoll ist. „Da ist letztlich die Eigenverantwortlichkeit des Einzelnen gefragt“, meint Thomas Richter von Rapunzel.

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