Spiegel-Journalisten kaufen E-Food

spiegltitlWeil auch der Spiegel so gar nichts Neues aus der E-Food-Branche berichten kann, besann man sich beim Hamburger Magazin (dessen neues Motto „Keine Angst vor der Wahrheit“ lautet) auf den guten alten Verbraucher-Test („Online-Supermärkte im Test“). Ganz subjektiv durften zehn Journalisten „im Selbsttest“ jeweils einen Anbieter testen – die einzige Gemeinsamkeit war die Einkaufsliste, die haushaltsübliche Waren enthielt (Milch, Saft, Chips, Tiefkühlpizza, Eier, Käse usw.). Die „Tester“ schrieben einen kurzen Bericht über ihren Einkauf und vergaben zusätzlich Punkte für Zuverlässigkeit, Kundenfreundlichkeit und Angebot.

Kriterien: rein subjektiv

In guter alter Journalistenmanier hatten die „Tester“ in ihren Kurzberichten so gut wie an allem etwas auszusetzen: mal kam nicht alles, was bestellt wurde, mal waren die Lieferkosten oder die Preise zu hoch, mal der Müllberg zu groß, die Auswahl zu klein oder die Suchfunktion nicht zufriedenstellend. Die Welt, so scheint es, ist nicht perfekt. Nicht perfekt war es denn auch, den subjektiven Eindruck in ein Objektivität vortäuschendes Punktesystem zu überführen, für das es keinerlei (für den Leser) nachvollziehbare Kriterien gab. Punktesieger waren übrigens Rewe Online und food.de.

E-Food: Keine Chance bei Journalisten

Betrachtet man den „Test“ als ganzes, ist er dennoch hochinteressant. Von zehn Journalisten haben sich letztlich acht klar gegen einen weiteren Online-Einkauf von Lebensmittel ausgesprochen, einer war positiv gestimmt, ein weiterer sagte nichts zum zukünftigen Verhalten. Und das, obwohl Journalisten als berufstätige, stets unter Zeitnot leidende, aufgeschlossene und internetzugewandte Menschen eigentlich zur Kernzielgruppe gehören.

Durch die Bank positiv: der Lieferservice

Interessant auch die Erfahrungen mit dem Lieferservice – der ja für gewöhnlich als Achillesferse der E-Food-Branche angesehen wird. Sieben Autoren äußerten sich explizit über die Anlieferung – davon sechs positiv! Worte wie „erfreulicher Service“, „pünktlich“, „zuverlässig“, „freundlich“ oder „problemlos“ zeigen, dass die Anlieferung meist gut funktionierte – ärgerlich sind eben nur die Ausnahmen.

Bekannt: Online ist teurer

Ganz tricky verglich man zu guter Letzt noch die Preise mit denen von Deutschlands billigsten Discounter und – oh Wunder – es zeigte sich, dass Aldi eben doch am günstigsten ist. Dass die Lieferkosten und die „zumindest gefühlt höheren Preise“ (Zitat Spiegel Online) die Schnäppchenjäger und Billigheimer dieser Republik vom Online-Lebensmittel-Einkauf abhalten, das ist wahrlich nicht neu. Nach diesem „Test“ bleibt vor allem ein Fazit: Menschen, die den perfekten E-Food-Anbieter zu Discounter-Preisen suchen, werden auch zukünftig enttäuscht werden.  Und, lieber Spiegel, bitte keine Angst vor der Wahrheit: Subjektive Erfahrungsberichte sind etwas anderes als ein Test.

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