Shopwings ohne Flügel

shopwings_fadeNach gerade mal zehn Monaten musste Shopwings seinen Service wieder einstellen – dabei wurde das Start-up noch vor kurzem als Hoffnungsträger des deutschen E-Food-Marktes gepriesen („ShopWings steht davor, den deutschen Online-Lebensmittelhandel auf ein nächstes Wettbewerbslevel zu bringen“, textete E-Commerce-Dienstleister syndy.com).

Erinnern wir uns: Junge, flexible „Shopper“ sollten die Einkaufsliste von Online-Käufern im nächsten Supermarkt abarbeiten. Innerhalb kürzester Zeit und mit einem kleinen Aufschlag – so erspart sich der Kunde den eigenen Gang zum Supermarkt. Dieses Konzept klang so überzeugend, dass die Samwer-Brüder bei Shopwings einstiegen (siehe dazu diesen Artikel auf efood.de).

Viele Gründe für das plötzliche Ende

Dass nun schon wieder Schluss ist hat mehrere Ursachen:

  • Der Preisaufschlag setzte sich aus einem Lieferaufschlag von 4,90 Euro und Aufschlägen auf einige der Lebensmittel zusammen. Der preissensible deutsche Kunde rechnete: zu teuer.
  • Der Service wurde nur in Berlin und München angeboten. Da ist der Weg zum nächsten Supermarkt maximal gefühlte 300 Meter. Fazit des Kunden: Brauch‘ ich nicht.
  • Nach gültiger Lebensmittelverordnung müssen zu jeder Ware einige Angaben gemacht werden (siehe dazu auch diesen Artikel auf efood.de). Normalerweise kommen die aus einer Datenbank von Kooperationspartnern oder Dienstleistern. Partner gab’s nicht, und Dienstleister sind teuer.
  • Junges Münchner Start-Up-Unternehmen wird von Internetgroßinvestor gekauft. Folge: Die Führungsmannschaft wird von München nach Berlin verpflanzt. Da ändert sich nicht nur ganz gewaltig das urbane Ambiente, sondern zwangsläufig auch die Firmenkultur. Ergebnis: Zwei der Gründer schmeißen hin und der Laden schlingert…
  • Die jungen, hippen Shopper haben schnell herausgefunden, dass der Verdienst doch nicht so wahnsinnig hoch ist. Nicht jeder dürfte da motiviert gewesen sein, die Einkäufe so schnell, freundlich und flexibel zu tätigen, wie es für einen solchen Service notwendig ist, um die Kunden zu überzeugen. (Zum Thema „Paketfahrer als Service-Kraft“ hier mehr auf efood.de).

Neues Spiel neues Glück in Australien

In der Summe also kein Wunder, dass der Service in Deutschland nicht ankam. Doch die international denkenden Samwers machen down under weiter: in Sidney und Melbourne wird weiter „geshopwingt“. Möglicherweise gibt es dort weniger Vorschriften für die Lebensmittelkennzeichnung, der Weg zum nächsten Supermarkt mag weiter sein, der Kunde weniger preissensibel und die Shopper mögen schon mit einem kleinen Entgeld zufrieden sein (immerhin ist die Jugendarbeitslosigkeit dort mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland). Nicht ausgeschlossen, dass das Konzept in fernen Ländern funktioniert (auch in Malaysia, Thailand, Vietnam, Indonesien und Philippinen will man tätig werden) – in Deutschland ist diese Art von E-Food-Handel zunächst gescheitert.

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