Rollt Amazon den E-Food-Markt auf?

bestseller amazon 2

Typischer Noch-schnell-dazu-Artikel:
Adventskalender sind gleich drei Mal
unter den Amazon-TopTen-Lebensmitteln.

Amazon macht wieder einmal von sich reden. Ich meine aber in diesem Fall nicht die möglicherweise bevorstehenden Weihnachtsstreiks, noch das Drohnen-Auslieferprogramm „Amazon Prime Air“, sondern die Ankündigung, auch in Deutschland Lebensmittel verkaufen zu wollen. Moment mal – verkauft Amazon nicht schon längst Lebensmittel hier bei uns? Gibt’s da was Neues? Also der Reihe nach: Tatsächlich verkauft Amazon seit Juli 2010 in Deutschland auch Lebensmittel – und zwar nach damaliger Ankündigung über 35.000 verschiedene „frische wie verpackte Lebensmittel“. Sie würden „von Amazon selbst und von über 60 Partnern angeboten“.

Nach drei Jahren noch in der Beta-Phase

Ganz so einfach ist das Lebensmittelgeschäft aber auch für den Branchenprimus Amazon (Deutschlandumsatz rund 7 Milliarden Euro) nicht. Der Amazon-Lebensmittelverkauf befindet sich selbst nach 3,5 Jahren noch in der Beta-Phase, also in einer (öffentlichen) Testphase. Und die damalige Ankündigung, auch frische Lebensmittel auszuliefern, war wohl etwas zu optimistisch – es gibt keine Frischwaren auf Amazon. Auch die Auslieferung über Partner generiert viel Unmut – denn so können schon mal 17 Produkte in 13 Päckchen kommen. Oder für eine Tüte Milch 7,67 Euro Kosten entstehen.

Reichlich Erfahrung mit e-food – in Seattle

Seit fünf Jahren macht Amazon aber tatsächlich Erfahrung mit frischen Lebensmitteln – und zwar am Stammsitz in Seattle. Vor einigen Wochen wurde „Amazon fresh“ dann auf Los Angeles ausgedehnt. Amazon hat angekündigt, den Service nun in weiteren Gebieten einführen zu wollen – bis zu 40 könnten es werden. Ob Deutschland ebenfalls dazu gehört, mag jeder selbst in die Aussagen von Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber hinein interpretieren: „Der Auftrag ist, dass wir uns auch darum kümmern müssen. Der Auftrag ist aber nicht unbedingt, dass wir uns morgen darum kümmern müssen.“

Amazon fresh = Amazon Parcel?

Interessant wird es, wenn Amazon die Auslieferung frischer Lebensmittel mit einem eigenen Lieferunternehmen kombinieren würde. Denn ein solches „wäre unter Umständen nötig“, so Kleber. Bislang liefert Amazon über DHL und UPS aus, ein Amazon-eigenes Versandnetz würde den deutschen Logistik-Markt ziemlich aufwirbeln.

Die e-food-Branche hingegen kann Amazons Pläne wesentlich entspannter sehen. Zum einen macht jeder weitere Anbieter das Phänomen „Lebensmittel online“ populärer – wovon alle profitieren. Zum anderen hat Amazon selbst schon erfahren, wie schwierig der e-food-Markt ist: Die Komplexität von Lagerhaltung und Anlieferung von Frischwaren (und Tiefkühlwaren) ist eben um einiges höher als die von Büchern oder Elektroartikeln.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.