Rocket entdeckt „the next big thing”

logo-lieferheld_kVor einigen Wochen war Erstaunliches über die Samwer-Brüder zu lesen. Nein, nicht die Nachricht, dass sie vermehrt in E-Food investieren wollen. Und auch nicht, dass die Gründer von Rocket Internet, die mit Zalando eine märchenhafte Erfolgsgeschichte hingelegt haben, nach Mode und Möbel nun das nächste große E-Commerce-Thema wittern: eben Lebensmittel.

Viel Geld für einen Pizzaservice

Erstaunlich war vielmehr der Betrag, der verkündet wurde: 496 Millionen Euro! So viel sei der Einstieg der Samwers bei Delivery Hero wert. Das Unternehmen sei in 24 Ländern aktiv, in Deutschland arbeitet Delivery Hero unter dem Label Lieferheld.de. Was genau kauften die Internet-Brüder eigentlich für eine halbe Milliarde Euro? Eine Plattform, über die man Fast-Food aus der Umgebung bestellen kann!

Das Food-Imperium der Samwers

Vergessen wir mal die äußerst medienwirksame halbe Milliarde und schauen uns an, was wirklich dran ist am Einstieg in das „next big thing“ der Samwers. Sie haben sich bislang tatsächlich an verschiedenen E-Food-Startups beteiligt:

  • Am schon erwähnten Lieferheld.de.
  • Shopwings ist ein Einkaufsdienst, der im Oktober 2014 gestartet wurde. In München und Berlin bringen sogenannte Shopper die gewünschten Waren vom Supermarkt nach Hause (siehe auch diesen Beitrag).
  • Eatfirst bietet seit Mitte 2014 eine „schnelle Lieferung“ von „ausgewogenen Gerichten“ an – und zwar nur in Berlin Mitte.
  • Bonativo liefert seit Anfang 2015 ebenfalls nur in Berlin, und zwar Waren von Biohöfen nach einer von den Kunden zusammengestellten Einkaufsliste.
  • Hellofresh ist ein Kochkisten-Abo: regelmäßig kommt eine Kiste ins Haus mit „inspirierenden Rezepten und dazu frische sowie hochwertige Zutaten“.
  • Und nicht zuletzt kann man auf Foodpanda sein Essen online bestellen – und zwar von Restaurants in der Nähe. Fast unnötig zu erwähnen, dass Foodpanda – wie alle anderen Samwer-E-Food-Unternehmen – international agiert, aktuell in 39 Ländern, Deutschland ist nicht dabei, dafür Kasachstan und Saudi-Arabien.

Hinter der wirren Sammlung steckt eine klare Strategie

Die Aufzählung läßt vier Ziele erkennen: Erstens checkt Rocket Internet gerade eine ganze Menge E-Food-Geschäftsideen. Mit Delivery Hero investieren die Samwers sogar in ein Konzept, das sie mit Foodpanda bereits im Portfolio haben. Zweitens dekliniert Rocket diese Konzepte immer auch international durch – meist durch Zukauf von existierenden Firmen (wie zum Beispiel in dieser Pressemeldung von Rocket Internet dargestellt). Drittens sucht Rocket aber offensichtlich keinen Einstieg in den „konventionellen“ E-Food-Markt, also einem Online-Supermarkt wie food.de, lebensmittel.de, mytime.de oder allyouneed.com. Und zu guter Letzt wird mal wieder klar, dass Klappern zum Geschäft gehört: Der investierten halben Milliarde steht bei Delivery Hero einer Schätzung des Handelsblatts zufolge ein Jahresumsatz von 50 bis 75 Millionen Euro gegenüber.

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