MHD und was daraus wird

e-food_MHD_5334

Vor einer Woche abgelaufen! Gleich in
den Müll damit? Lieber erst Mal testen,
ob die Hamburger-Brötchen noch gut sind.

Es gibt uns Sicherheit, das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD). Denn der Hersteller garantiert, dass das Lebensmittel bis zu diesem Datum – richtige Lagerung vorausgesetzt – in Geschmack, Konsistenz und Qualität ohne negative gesundheitliche Wirkung essbar ist. Doch diese Sicherheit führt oft zu absurden Folgen.

e-food-Händler sind sehr sensibel

Das MHD sagt nämlich nicht, dass das Lebensmittel nach dem Datum ungenießbar wäre. Ganz im Gegenteil: Praktisch alle Lebensmittel sind auch danach noch einwandfrei. Und sie dürfen nach diesem Datum auch noch verkauft werden, wenn sich der Händler vom guten Zustand der Ware überzeugt hat. Auch wenn kein rechtliches Risiko besteht (denn der Kunde darf verdorbene Ware zurückgeben, unabhängig davon ob das MHD überschritten ist oder nicht), so achten (e-food-) Lebensmittelhändler doch peinlich genau auf das MHD. food.de schreibt auf seiner Seite: „Die Mindesthaltbarkeitsdaten sind hoch angesetzt und übertreffen die gesetzlichen Anforderungen.“ MyTime.de gibt auf seiner Seite bei jedem Produkt an, wie lange es haltbar ist, z.B. „Ungeöffnet mindestens 10 Tage haltbar.“ Lebensmittel.de versichert: „Sollten Sie versehentlich einen Artikel bekommen haben, dessen MHD abgelaufen oder demnächst nicht mehr gültig ist, […] erhalten Sie von uns selbstverständlich umgehend Ersatz.“ Ganz klar, dass bei (e-food-) Händler eine Menge „abgelaufener“ Lebensmittel im Müll landen. Im besten Fall gehen sie an eine Tafel.

MHD gibt falschen Impuls

Und der Verbraucher macht es ebenso. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz will herausgefunden haben, dass 84 Prozent der Verbraucher Nahrungsmittel wegwerfen, wenn das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Eine aktuelle Studie der Uni Stuttgart ergab, dass von 11 Millionen Tonnen Lebensmittel, die in Deutschland weggeworfen werden, rund 7 Millionen Tonnen auf die privaten Haushalte entfallen!

Wir können einiges tun, um diesen beschämenden Lebensmittel-Müll zu vermeiden:

  • Interpretieren Sie das Mindesthaltbarkeitsdatum so wie die in englischsprachigen Ländern übliche Angabe „best before“. Damit wird gesagt, dass die Qualität vor diesem Datum garantiert wird. Haltbar ist das Lebensmittel aber fast immer länger.
  • Prüfen Sie mit Auge, Nase und Geschmacksinn, ob ein Lebensmittel auch nach dem MHD noch genießbar ist – meist ist es das. Wenn Sie doch mal ein Lebensmittel kaufen, bei dem das MHD überschritten ist, ist das kein Grund für eine Reklamation, sofern die Ware noch einwandfrei ist.
  • Nicht verwechseln: Mitunter ist das aufgedruckte Datum auch das Herstellungsdatum.
  • Achten Sie auf bei leicht verderblichen Lebensmitteln (z.B. Hackfleisch) auf den Aufdruck „Zu verbrauchen bis“. Im Gegensatz zum MHD darf das Lebensmittel nach Ablauf dieses Datums nicht mehr verkauft werden!
  • Abgelaufene Lebensmittel können noch mannigfaltig verwendet werden. Die Franzosen und die Spanier sind hier wesentlich kreativer als wir, die französische Autorin Inés Peyret hat alleine ein halbes Dutzend Bücher zum Thema „Kreativverwertung von Lebensmitteln“ geschrieben. Das Bundesministerium für Verbraucherschutz lanciert die Webseite www.zugutfuerdietonne.de wer zuviel Lebensmittel hat, kann sie über www.foodsharing.de verschenken, einige Ansätze zur Weiterverwertung gibt es auf Blogs wie verWERTbar2011 oder tastethewaste. Auch der empfehlenswerte Film Taste the Waste sensibilisiert zum Thema.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.