Ist Amazon Fresh nur eine Lachnummer?

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Foto: Atomic Taco / flickr / cc

Genau zwei Monate ist es her, dass Amazon Fresh auch in Deutschland gestartet ist. Dieser Auftritt wurde seit Jahren mit Spannung erwartet; er werde gar „wie ein Tornado in die Branche einziehen“, fürchtet der scheidende Rewe-Chef Alain Caparros. Und was ist nun tatsächlich passiert? Nix! Kein einziger E-Food-Händler klagt über drastische Umsatzeinbußen, und auch Aldi oder Rewe mussten nicht schließen. War die „Angst“ vor Amazons Lebensmittellieferdienst also übertrieben, Amzons Auftritt gar eine Lachnummer? Oder kommt da noch ein dicker Klops nach?

Amazon Fresh liefert seit Anfang Mai in Teilen von Berlin und Potsdam Lebensmittel aus, seit kurzem zudem in Hamburg. Beliefert werden nur Amazon Prime-Kunden, die neben der Jahresgebühr von 69 Euro noch 9,99 Euro monatlich zusätzlich zahlen (die Liefergebühren für die Einzellieferung entfallen dann). Sieht so der Markteintritt eines der größten Konzerne der Welt aus? Sicher nicht. Vielmehr dürfte es sich um einen ersten Testballon handeln. Akzeptieren die Kunden eine Monatsgebühr, wenn sie dafür eine gigantische Auswahl, sehr schnelle Lieferung und bei vielen Produkten den günstigsten Preis (wie die Welt berichtet) bekommen?

Amazon experimentiert

Neben neuen Erkenntnissen über das Verhalten der Kundschaft dürften für die Amazon-Manager vor allem die Erfahrungen über Lieferanten und Logistik wertvoll sein. Der Versand von frischen, tiefgekühlten oder fragilen Lebensmittel ist schließlich etwas ganz anderes als der von Büchern oder Elektroartikeln. Und die geringen Margen im deutschen Lebensmittelhandel müssen durch ein geschicktes Einkaufsverhalten überhaupt erst verdient werden. Doch auf’s Geldverdienen kommt es Jeff Bezos ohnehin zunächst nicht an – auf Dauer will er den Markt genau so beherrschen wie in anderen Segmenten. Der Auftritt von Amazon Fresh in Deutschland ist deshalb nur ein weiteres Experiment, um Erfahrung zu sammeln.

Amazon kauft Biokette

Mehr als ein Experiment dürfte aber der Kauf der amerikanischen Bio-Supermarktkette Whole Foods für 13,7 Milliarden Dollar sein. Damit verfügt Amazon seit Mitte Juni nun über 461 eigene Lebensmittelmärkte. Um das stationäre Geschäft dürfte es Jeff Bezos jedoch nicht gehen. Wichtiger ist, dass Amazon damit den Einkauf und die Logistik des Bio-Einzelhändlers im Haus hat. Neben den vielen kleinen Testballons zeigt dieser Schritt, in welche Richtung der Handelsriese gehen will: Statt Ressourcen in den Aufbau eigener Logistik zu stecken, nutzt man das Know-How und die Kapazitäten bestehender Unternehmen. Geld genug hat Bezos dafür. Damit stellt sich die spannende Frage: Was wird er in Europa kaufen?

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