Für Lidl lohnt sich efood nicht

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Zwölf Stunden geöffnet –
toller Offline-Service. Aber online?
Foto: cc

Nachdem vor einigen Wochen das Online-Konzept (Konzept?) von Edeka betrachtet wurde, soll heute aus gegebenem Anlass ein Blick auf die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) geworfen werden. Deren Online-Aktivitäten sind überschaubar, und seit Ende letzten Jahres sogar noch überschaubarer: Ende Dezember machte Kaufland nämlich Schluss mit lustig online und stellte seinen Lieferservice in Berlin nach einem guten Jahr ein. Spannend ist die Begründung, die das Unternehmen in seiner kurzen Meldung anführt: „Mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit sehen wir allerdings, dass sich ein Lieferservice im Lebensmittelbereich auf Sicht nicht kostendeckend betreiben lässt.“ Na, hoffentlich lesen das auch die Mitbewerber wie Amazon, Rewe, Lebensmittel.de oder Allyouneed.

Wie weit reicht die Sicht?

Möglicherweise haben die Manager der Lidl Digital International GmbH & Co. KG ja recht. In den Lidl Online-Shops wird so ziemlich alles verkauft, von Blumen und Reisen über Mode („Esmara, aus der Feder der Chefdesignerin Heidi Klum“) und den Lidl-typischen Wochenangeboten bis hin zu Alkoholika. Und das höchstwahrscheinlich auch kostendeckend. Bei Lebensmitteln wurde den Managern aber offensichtlich klar, dass das „auf Sicht“ eben nicht kostendeckend geht. Die entscheidende Frage dabei ist, wie weit diese Sicht reicht. Ziemlich klar ist, dass kurz- und auch mittelfristig mit dem Online-Handel eines Lebensmittel-Vollsortiments keine Kostendeckung zu erreichen ist. Für diese Erkenntnis hätte man allerdings keinen Pilotversuch starten müssen, sondern zum Beispiel einfach Blogs wie diesen lesen können (ja, sorry, so einfach kann das Leben sein). Die oben erwähnten Unternehmen, die auch weiterhin im Lebensmittel-Online-Geschäft bleiben, hoffen „auf lange Sicht“ mehr als kostendeckend, nämlich gewinnbringend arbeiten zu können. Und sehen die vielen Millionen Euro, die sie dabei investieren, als (notwendige) Risiko-Investition.

Lebensmittel lieber offline

Bei 30 Kaufland-Fillialen in Berlin hatte Kaufland eigentlich eine sehr gute Grundinfrastruktur. Wenn sich dann allerdings gleich 300 Mitarbeiter um den neuen Service kümmern müssen (von deren Entlassung nach der Schließung verschiedene Dienste berichteten), dann muss man sich nicht wundern, dass nicht „kostendeckend“ gewirtschaftet werden kann. Die Schwarz-Gruppe hat im Übrigen noch einen zweiten Testballon am e-food-Himmel, nämlich den Kochboxen-Versand www.lidl-kochzauber.de. Dass der „auf Sicht“ in einem Großkonzern ebenfalls nicht kostendeckend betrieben werden kann, das ist nicht schwer zu prognostizieren. Zwei kleine Pilotprojekte im Bereich Online-Lebensmittelhandel und das war’s? Es scheint, als investiere der viertgrößte Handelskonzern der Welt(!) praktisch nichts in den Zukunftsmarkt e-food.

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