Feinkost – vom stationären Handel ins Internet

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Nur noch ein stationäres Geschäft – im Main-
Taunus-Zentrum Sulzbach. Ansonsten kon-
zentriert sich Emilia auf den Online-Handel.

Gourmets machen keine Kompromisse. Sie wollen beste Qualität für ihr gutes Geld. Dass das auch im Online-Handel funktioniert, beweist nicht nur Platzhirsch Gourmondo.de, sondern auch Online-Händler wie delinero.de oder gustini.de. Alteingessene Feinkosthändler wie Feinkost Böhm oder Feinkost Käfer halten sich hingegen zurück. Eine Besonderheit des stationären Feinkosthandels, nämlich eine hohe Produktqualität durch frisch aufgeschnittene Ware zu garantieren, hat emilia.de ins Netz übertragen. Funktioniert das wirklich? Und wo sind die Schwierigkeiten?

Steigender Anteil frischer Spezialitäten

Nach 15 Jahren im stationären Handel hat Emilia Ende 2013 seine fünf Standorte bereinigt und auf ein einziges Geschäft im Main-Taunus-Zentrum Sulzbach reduziert. Schwerpunkt sollte von nun an der Web-Shop unter www.emilia.de bilden. Auch im Online-Handel sollte bei Emilia Schinken, Salami oder Käse aus Italien und Frankreich erst direkt vor dem Versand frisch in der bestellten Menge aufgeschnitten werden. Und tatsächlich: Aktuell liegt der Anteil dieser Produkte aus der „Frischetheke“ bei über 30% des Umsatzes, Tendenz steigend. Auch wenn es prinzipiell für Online-Händler schwierig ist, mit frischen Produkten zu arbeiten, da hier Schwundfaktoren durch Trockenverluste oder Schnittverluste zu berücksichtigen sind – Emilia hat dennoch die gesamte Produktpalette in den Online-Handel mitgenommen: Parmesan frisch vom Laib gebrochen, Parmaschinken Riserva oder andere italienische Rohschinken, Salami in allen Angebotsformen oder italienischen Hartkäse wie Pecorino. Reklamationen wegen des Geschmacks oder dem Aussehen der Produkte sind eher selten – der Kunde weiß meist genau, was er bestellt.

Königsdisziplin: Grammgenau schneiden

Das Aufschneiden erfordert neben den entsprechend eingerichteten Produktionsräumen auch geschultes Personal. Während im stationären Handel die Ware vor Ort geschnitten und grammgenau gewogen und berechnet wird, ist dies im Onlinehandel nicht möglich. Denn im Onlinehandel ist der Bestellwert fix und kann nicht (oder nur mit vielen Einschränkungen) nachträglich angepasst werden. Deshalb werden die Artikel aus der Frischetheke von Emilia zu festen Gewichten angeboten. Der Kunde bezahlt also ein festes Gewicht und die Mitarbeiter in der Versandabwicklung müssen dieses Gewicht möglichst genau treffen – auf keinen Fall darf es unter dem Sollgewicht liegen, das der Kunde bezahlt hat. Natürlich darf das Gewicht auch nicht wesentlich darüber liegen, das sonst die Kalkulation nicht mehr aufgeht.

DHL Kurier löst zwei Probleme

Online-Kunden sind bezüglich der Frische von Produkten besonders kritisch. In den Kühlboxen von Emilia variiert die Anzahl der Kühlelemente je nach Außentemperatur und hält die Ware bis zu 48 Stunden kühl. Allerdings muss sich der Kunde selbst um die Entsorgung des Verpackungs- und Kühlmaterials kümmern. Anders wird es beim Versand per DHL Kurier gehandhabt. Vom Zentrallager in Dortmund erhält der Kunde im Ruhrgebiet die bestellte Ware noch am gleichen Tag. Bei gekühlter Ware wird eine spezielle Versandbox eingesetzt, die der Fahrer von DHL direkt wieder mitnimmt – beim Kunden fällt also kaum noch Verpackungsmüll an. DHL Kurier löst auch ein anderes Problem im Versandhandel von frischer Ware: Viele Kunden sehen Probleme darin, dass die Ware zu einem Zeitpunkt ankommt, zu dem sie nicht zu Hause sind. DHL bietet eine Abendzustellung in den Lieferfenstern 18 bis 20 Uhr und 20 bis 22 Uhr an.

Autoren: Carolin Gierschner und Constantin Schnell

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