E-Food-Praxis: Lieferzeiten

Warum kaufen Menschen Lebensmittel online? Dafür gibt es viele Gründe (und ein paar auch dagegen). Eine neue europaweite Studie – über die wir demnächst ausführlich berichten – nennt als wichtigsten: „Ich kann einkaufen wann ich will.“ Leicht einzusehen, denn das Internet macht nie zu. Andererseits haben viele städtische Supermärkte inzwischen bis 22 Uhr offen – und noch später kaufen dann doch die wenigsten. Aber sei’s drum. Das nächst genannte Argument lautet: „Es ist praktisch, dass die Lebensmittel angeliefert werden.“ Interessanterweise hält genau dieser Punkt auch viele vom E-Food-Kauf ab – der zweitwichtigste Ablehnungsgrund ist nämlich „Die Lieferzeitfenster passen mir nicht“. (Der wichtigste Ablehnungsgrund lautet: „Die Preise sind mir zu hoch.“ Aber das ist ein anderes Thema.)

Wer fulltime arbeitet erwartet guten Service

Grund genug, das Thema „Lieferzeiten-Fenster“ genauer anzuschauen. Rund die Hälfte der Menschen, die Lebensmittel im Internet kaufen, arbeitet Vollzeit. Man darf annehmen, dass diese Gruppe die sensibelste ist, was das Zeitfenster angeht. Niemand will seine Joghurts, seine Cola-Flaschen oder die Eintopfdosen nach der Arbeit auch noch von der nächsten Paketstelle abholen. Oder abends beim Nachbarn klingeln. Die Lösung: Eine fixe Lieferzeit vereinbaren. Am besten abends nach der Arbeit. Wer bietet so etwas an?

Lieferzeiten der bundesweiten Anbieter

Wir schauen, welcher Anbieter den „Härtefall-Service“ bietet: Eine Anlieferung nach 18 Uhr, egal wohin, in einem Zwei-Stunden-Fenster. Und ohne Mehrkosten, versteht sich. Hier die Tabelle:

Anbieter Zeitfenster Aufschlag Gebiet
Allyouneed 18 – 20 Uhr
oder
20 – 22 Uhr
Kein Aufschlag für Zeitfenster In 12 Ballungsräumen
MyTime 17 – 22 Uhr Zusätzliche Gebühr bundesweit
(Bremen und Nürnberg
18 – 20 Uhr
oder
20 –22 Uhr)
Lebensmittel.de Kein Zeitfenster wählbar
Edeka24 Kein Zeitfenster wählbar

Von den vier bundesweit liefernden Vollsortimenter bietet zunächst keiner den gewünschten Service. Allyouneed liefert immerhin in 12 Ballungsräume in Zwei-Stunden-Fenstern – und das ohne Aufschlag. Gegen eine Zusatzgebühr liefert MyTime in einem Fünf-Stunden-Zeitfenster, in zwei Liefergebieten geht es seit neuestem sogar im Zwei Stunden-Fenster.

Lieferzeiten lokaler/regionaler Anbieter

Wie sieht es nun mit den lokalen bzw. regionalen Anbietern aus? Hier haben wir uns drei Anbieter angeschaut, die stellvertretend auch für andere regionale Anbieter wie Emmas Enkel oder Rewe-Online stehen – die machen es ähnlich. Die Tabelle zeigt erfreuliches: Zwei-Stunden-Fenster am Abend, ohne Aufschlag, das ist für regionale Anbieter fast Standard.

Anbieter Zeitfenster Aufschlag Gebiet
food.de 2-Stunden-Fenster
16 bis 22 Uhr
Kein Aufschlag für Zeitfenster Berlin, Frankfurt, Hochtaunus, Düsseldorf, Köln, Leipzig, München, Hamburg
Lieferladen 2-Stunden-Fenster
15 bis 22 Uhr
Kein Aufschlag für Zeitfenster Stuttgart, Ulm
Bringmeister 2-Stunden-Fenster bis 23 Uhr (Berlin) bzw. bis 21 Uhr (München) Kein Aufschlag für Zeitfenster Berlin, München

Fazit: Die Hälfte aller Deutschen profitieren vom Abendservice

Die schlechte Nachricht zuerst: Fernab der Großstädte sieht es mit der abendlichen Lieferung ganz schlecht aus. Im Moment liefert nur MyTime zur Abendzeit – und will dafür eine Zusatzgebühr. (Die Frage ist aber auch hier: Wie lange noch? Denn rentabel ist das nicht.) Die gute Nachricht: In Ballungsräumen ist es kein Problem, in einem abendlichen Zwei-Stunden-Fenster beliefert zu werden. Und dort wohnt immerhin fast die Hälfte der Bevölkerung. Hinzu kommt: 58% der E-Food-Besteller leben in Großstädten. Eigentlich also kein Grund darüber zu klagen, dass die Lieferzeiten nicht passen.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.