E-Food im Stadt-Land-Vergleich

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Fünf in Berlin, der Rest in Brandenburg:
Wo klappt’s besser mit E-Food? Bild aus
Marktcheck Online-Lebensmittelhandel

In den Großstädten ist der nächste Supermarkt meist nicht weit, auf dem Land hingegen muss man für den Einkauf oft viele Kilometer fahren. Gerade dort, wo man auf ein Auto angewiesen ist, wäre der Online-Einkauf von Lebensmittel für viele Menschen also eine echte Alternative. Leider ist er das aber nicht immer. Ein Test der Verbraucherzentralen Berlin und Brandenburg stellt einen Stadt-Land-Vergleich von E-Food-Lieferungen an.

Ein Viertel der Tester sagt „nie wieder“

Die Untersuchung heißt mit vollem Titel „Marktcheck Online-Lebensmittelhandel: Verfügbarkeit, Lieferqualität und Alltagstauglichkeit in den Regionen Berlin und Brandenburg (im Stadt-Land-Vergleich)“. Sie hat allerdings, so viel schon vorab, nur einen Stichprobencharakter. Geliefert wurde an fünf Testadressen in Berlin und sechs Adressen in Kleinstädten bzw. ländlichen Orten in Brandenburg. Auch bei den Lieferdiensten ging man stichprobenartig vor, AlyouneedFresh, MyTime und Edeka (sowie in Berlin AmazonFresh) waren dabei, lebensmittel.de und Rewe nicht. Ganz nebenbei: Die Bestellungen des vor kurzem veröffentlichtem Bericht wurden im Sommer 2017 getätigt. Ebenfalls nicht repräsentativ fällt das Urteil der wenigen Käufer aus: Nur zwei Tester würden auch zukünftig Lebensmittel online einkaufen, sechs würden sich nur unter bestimmten Bedingungen wie bei Krankheit oder „nur Getränke“ dafür entscheiden und drei gar würden nie wieder Lebensmittel online bestellen wollen.

Kühlkette meist eingehalten

Nicht verwunderlich ist, dass die Großstädter (in diesem Fall die Berliner) aus mindestens zehn Lieferdiensten wählen können, auf dem Land aber meist nur halb so viel Anbieter zur Auswahl stehen. Eingeschränkt ist die Produktpalette deshalb aber nicht. Auch bei langen Lieferwegen haben die überregionalen E-Food-Anbieter die Kühlkette im Griff: „Die beiden etablierten Anbieter AllyouneedFresh und myTime überzeugten zum großen Teil bei der Einhaltung der Temperaturanforderungen für gekühlte und tiefgekühlte Produkte.“ Edeka hingegen konnte mit seiner lokalen Dependance „diese Anforderungen nicht zufriedenstellend erfüllen“.

„Je nach Anbieter“ viel Verbesserungsbedarf

Bei der Alltagstauglichkeit – und das ist letztlich das entscheidende Kriterium für eine breite Aktzeptanz auf Dauer – sahen die Verbraucherschützer einige Schwachstellen. Die Lieferzeitfenster waren zum Teil zu lang („Andere Anbieter bzw. Allyouneed-Fresh auch in Brandenburg offerieren dagegen nur fünfstündige oder ganztägige Zeitfenster.“), die Sendung kam getrennt („Frisches Fleisch und frischer Fisch werden bei AllyouneedFresh getrennt von der übrigen Lebensmittelbestellung ein bis drei Tage später geliefert, sodass an zwei Tagen die Annahme der Lieferung gewährleistet werden muss.“) und nichtlieferbare Artikel führten zu Ärger („Beim EDEKA-Lieferservice gab es vorab keine Information über nicht lieferbare Artikel, dies hatte zur Folge, dass erst an der Haustür bei der Warenannahme festzustellen war, welche bestellten Produkte fehlten.“). Und natürlich – auch das nicht neu: die Verpackungsproblematik („Unpraktisch und aufwändig ist bei den Lieferungen per Paket der mitunter sehr hohe Anfall von Verpackungsmüll. Die Entsorgung oder Rücksendung von Pappkartons, Plastikfolien, Kühlpacks und Trockeneis muss der Kunde übernehmen.“) Das Fazit der Verbraucherschützer: Nicht nur beim Verpackungsmüll, sondern auch in Hinblick auf die Alltagstauglichkeit gäbe es „..je nach Anbieter noch großen Verbesserungsbedarf“. Na ja, es überrascht nicht, dass jeder Anbieter seine Stärken und Schwächen hat.

Ein Stadt-Land-Unterschied bleibt: der Müll

Wir haben uns das Stadt-Land-Gefälle genauer angeschaut und festgestellt, dass es eigentlich nur in einem Punkt wirklich gravierend ausfällt: Auf dem Land hat man sehr oft nur die bundesweiten Versender zur Auswahl, also MyTime, AmazonFresh, lebensmittel.de und AllyouneedFresh. Hauptsächlich in den Städten und ansonsten regional sehr begrenzt verfügbar sind hingegen die „lokalen“ Anbieter (wie Rewe, Edeka oder Bringmeister). Was die Qualität der Ware, Lieferzeitfenster oder Alltagstauglichkeit angeht, war zwischen Stadt und Land kein riesen Unterschied festzustellen. Klar, so mancher Lieferdienst ist in der Großstadt etwas schneller und präziser im Lieferzeitfenster, aber das hat sich nicht durch alle Anbieter durchgezogen. Fazit: Auch auf dem Land hat man (aus logistischer Sicht eigentlich logisch) nicht dieselbe Auswahl, aber unterversorgt ist man nicht. Und leider: Verpackungsmüll fällt auf dem Land dann noch meist deutlich mehr an.

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