Die Franzosen lieben „le drive“

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Sehen karg aus, funktionieren aber hervorragend: Die
„drive“ genannten click and collcct-Stationen in
Frankreich.

Es ist immer wieder dieselbe Frage: Warum läuft efood im Ausland großartig, und in Deutschland (noch) nicht? Der Produkt-Datenbank-Anbieter SyndicatePlus hat sich in der Studie „The State of Online Grocery Retail in Europe“ die Mühe gemacht, die Märkte für efood in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und den USA miteinander zu vergleichen. Sieht man sich die Umsätze der einzelnen Länder an (siehe Grafik), dann verwundert – mal wieder – wie erfolgreich efood in Frankreich und Großbritannien ist. (Und außerdem werden diesmal nicht ganz so fantastische Wachstumszahlen zwischen 40 und 75% präsentiert. In Deutschland soll der efood-Markt in drei Jahren beispielsweise um rund 70% wachsen.)

Erfolgsrezept in Frankreich: click and collect

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Heutige und zukünftige efood-Umsätze.
Quelle: SyndicatePlus-Studie

Viele der Gründe, warum wir in Deutschland hinterherhinken, sind lang und breit ausdiskutiert: hohe Supermarktdichte, starker Preiskampf der Discounter, Geiz-ist-Geil-Mentalität beim Lebensmittelkauf. Aber im Ausland gibt’s noch andere Unterschiede. Schauen wir uns Frankreich an: Dort wurde im letzten Jahr die Anzahl der Pick-Up-Stationen (click and collect), in Frankreich „drive“ genannt, von knapp 2.000 auf über 2.600 erhöht! Dieses Jahr werden es sicher 3.000 werden.

Der Trend zum Lager

Erstaunlich: In manchen (ländlichen) Regionen Frankreichs kommt ein Drive auf 13.000 bis 15.000 Einwohner. In dünnbesiedelten Gebieten wird der Einkauf ohnehin nach einem festen Schema gemacht: einmal in der Woche fährt man in einen gigantischen E.Leclerc, Carrefour, Auchan oder Intermarché und packt dort das Auto so richtig voll. Warum also nicht schon bequem zu Hause aus dem bekannten Sortiment aussuchen – und die Lebensmittel dann ohne einen Cent mehr zu bezahlen in kürzester Zeit selbst abholen? E.Leclerc, einer der beiden Marktführer neben Carrefour, macht vor, wie es zukünftig aussehen könnte: Die meisten der 135 Neueröffnung im letzten Jahr waren nicht mehr an einen Supermarkt angedockt, sondern nur noch ein Lagerhaus mit Pick-Up-Station.

GB: Noch erfolgreicher mit Hauslieferung

Allerdings: Wie länderspezifisch die Erfolgsfaktoren sind, zeigt ein Blick nach Großbritannien. Dort wird mit efood rund eine Milliarde Euro mehr umgesetzt als in Frankreich – immerhin also 15% mehr als im bevölkerungsmäßig praktisch gleich großen Frankreich. Das liegt am ebenso frühen wie entschiedenen Markteintritt von Tesco, Acado und Asda, die seit 2000 online verkaufen. Viel Erfahrung in diesem Business trifft hier auf (anscheinend) experimentierfreudige Konsumenten. Noch ist auf der Insel der Heimlieferservice quasi Standard, doch mehr und mehr wird auch dort click and collect ausgebaut.

Click and collect – in Deutschland fast unbekannt

Ein Rezept auch für Deutschland? Immerhin gibt es auch hierzulande einige (ganz wenige) click and collect Stationen, Rewe zum Beispiel bietet 14 solcher Abholstationen an – vernachlässigbar wenige im Vergleich zu den französischen Verhältnissen. Der deutsche Verbraucher – ohnehin zurückhaltend beim Online-Lebensmittelkauf – will seine Ware geliefert bekommen. Konzepte aus dem Ausland helfen da zunächst wenig.

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