Berater sehen „Revolution im Lebensmittelhandel“

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Die Aufteilung in acht Handlungsfelder
nennt Ernst&Young „Cross Box“.
Abbildung aus der EY-Studie

Jetzt auch Ernst&Young. Nach den Unternehmensberatungen Fittkau & Maaß und A.T. Kearney legte nun auch Beratungsriese Ernst&Young eine Studie zum efood-Markt vor. Während sich die früheren Untersuchungen mit Prognosen zurückhielten, oder allenfalls moderate Steigerungen bzw. unspezifisch „signifikantes Potenzial“ sahen, geht Ernst&Young (EY) in die Vollen: „Bis 2020 soll der jährliche Online-Umsatz auf 20 Milliarden Euro steigen. Der Marktanteil steigt damit von aktuell 0,3 Prozent auf dann 10 Prozent“, so die Studie.

Steigerung von 0,3 auf 10 Prozent

Wow! In gerade mal sechs Jahren soll der Online-Umsatz auf das 30fache steigen! Das klingt nach einer äußerst dynamischen (R)Evolution. Die Gründe für dieses Dorado liefert EY natürlich auch:

  • bessere Angebote
  • sinkende Preise
  • die demografische Entwicklung
  • „Bislang noch bestehende logistische Probleme werden bis dahin gelöst sein.“ (O-Ton EY)
  • Generell steige die Bereitschaft der Konsumenten, Lebensmittel per Mausklick zu ordern

Schub durch günstigere Preise?

Das klingt alles recht optimistisch – doch wie so oft ist ein halbvolles Glas eben gleichzeitig halbleer. Laut EY-Studie ist das Haupthindernis für den Online-Lebensmittelkauf „Keine Möglichkeit zum Sehen, Riechen, Fühlen“ – diese Hürde dürfte auch für Revolutionäre schwer zu nehmen sein. „Fehlendes Angebot, hohe Kosten, Lieferung zu kompliziert“ folgen als nächstwichtige Kaufhemmnisse. Konsequenterweise gehen 65 Prozent der Befragten davon aus, noch nicht einmal in den nächsten fünf Jahren Lebensmittel im Netz kaufen zu wollen. Wer es dennoch tun will, gibt als Hauptgründe an: „Ich erwarte, dass der Kauf von Lebensmitteln im Internet günstiger wird“ und „Die Probleme der Lieferung (Zeitfenster, Kühlung) werden bis dahin gelöst sein“.

Logistik: Warten auf den Big Bang

Man darf wirklich gespannt sein, wie genau die Preise in einer Branche mit extrem niedriger Marge sinken sollen, wie das Angebot verbessert werden und ob das Einkaufsverhalten von Best Agern und doppelverdienenden Eltern wirklich die Branche beflügeln wird. Noch mehr Spannung baut die Studie bei einem der zentralen Knackpunkte des efood-Handels auf, bei der Logistik. Hier warten alle auf die titelgebende Revolution, so auch der Autor der Studie: „Ich bin sicher, dass es hier bald zum Big Bang kommen wird.“

Cross-Channel-Effekt wird vernachlässigt

In ihrem Optimismus und Auslegungsfleiß weisen die EY-Consultants aber auch auf einen wichtigen Effekt hin – auf das Cross Channel-Verhalten. (Die Studie heißt denn auch „Cross Channel – Revolution im Lebensmittelhandel“.) Während 10 Prozent des Lebensmittel-Umsatzes 2020 mit reinen Online-Angeboten gemacht würden, würden weitere 20 Prozent des Umsatzes per Cross Channel eingefahren (also dann immerhin 40 Milliarden Euro): „Der Cross-Channel-Kunde kombiniert bei seinem Einkauf stationäre und digitale Kanäle.“ Er informiert sich z.B. im Netz, kauft vor Ort und nutzt anschließend wieder digitale Servicekanäle. Genau hier sieht Ernst&Young aber noch erhebliche Defizite: „Unsere Studie kommt zu dem Ergebnis, dass der Handel aktuell Cross Channel nicht als integrativen Bestandteil seiner Gesamtstrategie verfolgt.“ Der Handel müsse sich wohl „von seiner Hoffnung verabschieden, dass die digitalen Kanäle vom ersten Tag an profitabel“ seien. Warten wir also ab, was Aldi, Lidl & Co in den nächsten Jahren crosschannelmäßig bieten werden.

Anmerkung: Ernst&Young hat in der Anfang Februar 2014 veröffentlichten Studie mehr als 1.000 Konsumenten in Deutschland befragt und mit acht „führenden Lebensmittelhändlern“ persönliche Gespräche geführt.

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