abgelaufen.de als Versuchslabor

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Das Angebot auf www.abgelaufen.de ist
naturgemäß nicht riesig, doch beim
Stöbern kann man Interessantes entdecken.

Lebensmittel, die laut Mindeshaltbarkeitsdatum (MHD) „abgelaufen“ sind, landen in Deutschland in den allermeisten Fällen im Müll – darüber haben wir in einem früheren Blogbeitrag bereits geschrieben (und unter anderem erwähnt, dass das MHD keineswegs angibt, dass Lebensmittel ungenießbar wären, sondern eben nur, dass sie mindestens bis zu diesem Datum einwandfrei sind).

Das MHD ist aber auch für den Lebensmittelhandel eine schwierige Größe. Zwar dürfen Händler rein rechtlich gesehen auch „abgelaufene“ Lebensmittel noch verkaufen, doch kein einziger Kunde kauft solche Lebensmittel. Was also tun mit den MHD-Überschreitern? Wegwerfen ist die bevorzugte Lösung des Handels, auch das Verschenken an eine Tafel wird hier und dort praktiziert. Und mitunter werden die Produkte zu verbilligten Preisen angeboten.

Neue Plattform für abgelaufene Lebensmittel

Die neue Plattform www.abgelaufen.de bietet ebenfalls abgelaufene Lebensmittel mit Rabatt an – im Unterschied zu den gelegentlichen Angeboten im stationären Handel macht sie es jedoch systematisch und dauerhaft. Die Ware stammt aus dem Sortiment von lebensmittel.de, wobei ausschließlich Lebensmittel aus dem Trockensortiment angeboten werden. „Frischfleisch und andere MHD-sensible Artikel werden selbstverständlich nicht von uns angeboten“, heißt es deutlich auf der Seite.

Reduktion bis 75 Prozent

Bei „abgelaufenen“ Artikel erwarten die Kunden nicht nur einen günstigen Preis, sondern auch (zurecht) einwandfreie Ware. Die Reduktionen auf www.abgelaufen.de liegen meist bei 40 bis 50 Prozent, manchmal nur bei 20 Prozent, mitunter aber auch bei 75 Prozent. Zur Orientierung unterscheidet die Plattform zwischen „bereits abgelaufen“ und „schwaches MHD“. In Sachen Qualität heißt es auf der Seite: „Sollte der Artikel das MHD bereits erreicht haben, so ist er von uns auf Qualität hinsichtlich Verpackung und Geschmack getestet. Eine Gesundheitsgefahr ist daher bei allen Artikeln […] nicht vorhanden.“

Spannende Entdeckungen

Beim Stöbern auf www.abgelaufen.de kann man einiges Interessante entdecken. Überraschenderweise kostet ein hochwertiger Schwarzer Tee (18-Beutel-Pachung) statt 3,99 nur 0,99 Euro – obwohl er erst in 12 Tagen abläuft. Ein Beutel Würz-Erdnüsse kostet zwar nur die Hälfte, ist aber immerhin seit 13 Monaten abgelaufen. Der Energy-Drink Cube hingegen „hält“ noch zwei volle Monate, ist aber für deutlich weniger als die Hälfte erwerbbar. Der sparwütige Kunde kann hier also so manche Entdeckung und so manches Schnäppchen machen. Nur die Höhe der Versandkosten (6,90 Euro) schmälert den Einkaufsspaß etwas.

Nimmt der Kunde das Angebot an?

Für lebensmittel.de (und ebenso für alle anderen E-Food-Händler) dürfte die Plattform ein interessantes Experiment sein. Wird das Angebot vom Kunden angenommen? Lohnt sich der Aufwand und die extrem verringerte Marge wirklich? Zwar steckt auch eine gute Portion Idealismus hinter www.abgelaufen.de („Täglich werden trotz noch einwandfreiem Zustand sinnlos zig Artikel in Deutschland entsorgt. Wir haben uns daher zur Aufgabe gemacht Ihnen täglich Lebensmittel […] anzubieten, die ohne uns grundlos in Mülltonnen landen würden. Tragen Sie Ihren Teil zu mehr Nachhaltigkeit bei.“). Doch letztlich muss sich ein solches Angebot auch kaufmännisch rechnen. Man darf gespannt sein…

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