5:3 für Amazon

amazon_freshDer Startschuss für den Lebensmittel-Lieferdienst von Amazon („Amazon Fresh“) rückt näher – jedenfalls wenn man dem Rauschen im Blätterwald glauben darf. Mit einem Bericht über einen kleinen Amazon-Zauberstab namens „Dash“ wartete zum Beispiel „Die Welt“ jüngst auf. Egal wann der Versandriese nun starten wird – sicher ist, dass Amazon die Branche aufwirbeln wird. Denn es lohnt sich: Auf dem umsatzstarken deutschen Markt ist der Thron des E-Food-Königs bislang noch frei.

Ob Amazon den deutschen Markt tatsächlich aufrollen wird, das können wir natürlich nicht voraussagen. Es gibt einige Fakten, die dafür sprechen, dass sich Amazon gut platzieren wird. Ebenso aber auch einige Kontra-Argumente. Hier sind sie:

Fünf Zähler für Amazon

PRO 1 – Amazon ist die bekannteste Online-Shopping-Plattform in Deutschland.
Ein Riesenvorteil. Es gibt abertausende Online-Shops – gute Umsätze machen aber nur wenige. Die „Lage“ (im Suchmaschinenranking) und die Bekanntheit sind für Internet-Shops ebenso wichtig wie für den stationären Handel.

PRO 2Amazon gilt als zuverlässiger, schneller und günstiger Versender.
Der Kunde weiß: In vielen (wenn nicht gar den meisten) Fällen entfallen die Liefergebühren. Wieder ein Riesenplus. Wie kundenfreundlich Amazon zukünftig Lebensmittel liefern wird wissen wir noch nicht – es ist aber anzunehmen, dass die Keine-Liefergebühren-Strategie auch bei E-Food greifen wird.

PRO 3 – Amazon wird investieren – zum Beispiel in die Logistik und ins Marketing.
Es war bislang die Strategie von Amazon Chef Jeff Bezos, lieber zu investieren als große Gewinne zu machen. Den Aufbau einer eigenen E-Food-Marke und die entsprechende Werbung wird sich Amazon einiges kosten lassen, vermuten wir.

PRO 4 – Amazon beherrscht das Empfehlungs-Marketing perfekt.
Der Satz „Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch…“ wurde von so ziemlichen jedem Online-Shop (variierend) kopiert. Und wer schaut nicht auf die Anzahl der Empfehlungs-Sternchen, bevor er/sie ein Buch kauft?

PRO 5 – Web-Optimiert: Auf Amazon lässt es sich mit ein paar Klicks einkaufen.
Von Anfang hat es Amazon verstanden, eine kundenfreundliche Internetplattform aufzubauen: sie ist schnell und (technisch) zuverlässig. Und übersichtlich – oder haben wir uns einfach daran gewöhnt, dass so ein guter Online-Shop aussehen muss?

Drei Zähler gegen Amazon

KONTRA 1Amazon ist nicht als Lebensmittelhändler bekannt.
Wir alle haben unsere Gewohnheiten. Der eine kauft bei Aldi, der andere im Bioladen. Bei Amazon kaufen wir Bücher und CDs – aber immer mehr auch Unterhaltungselektronik, Computer(-zubehör) und Haushaltsgeräte. Bei Kleidung, Uhren/Schmuck und Lebensmitteln hat es Amazon aber nicht geschafft – da kaufen die Kunden lieber auf anderen Plattformen.

KONTRA 2Billiger als Aldi geht nicht.

Amazon gilt als günstig (wenn auch nicht immer zurecht) – diesen Ruf zu halten wird bei Lebensmitteln eher schwierig. Denn der/die Deutsche gilt beim Lebensmittelkauf als besonders preissensibel. „Billig“ ist für sehr viele Verbraucher das wichtigste Kriterium. Gegen Aldi, Lidl und Co zu bestehen wird also nicht einfach – denn diese Preise kann man schlicht nicht unterbieten.

KONTRA 3Frische Lebensmittel sind eine schwierige Ware.

Auch Amazon muss sich dem größten Problem des E-Food-Geschäfts stellen: Die Anlieferung von frischen Lebensmitteln erfordern einen immensen logistischen Aufwand. Andererseits kann es sich der Versandriese nicht leisten, auf ein Frischeangebot zu verzichten. Eine Lösung wäre die Same-Day-Delivery – mit einer eigenen Logistik-Flotte. Hier darf man gespannt sein.

Noch ist Amazon nicht auf der Zielgeraden

Der Stand von 5:3 für Amazon sieht nach Punkte-Sieg aus – aber natürlich kann die reine Addition von Argumenten keine Vorhersage über einen möglichen Erfolg sein. Denn jedes einzelne der Kontra-Argumente kann zum Killer-Argument werden. Andererseits wirken die Pro-Argumente vor allem in der Kombination. Dennoch: Wenn es Amazon richtig anpackt, dann wird der E-Food-Markt kräftig angeheizt.

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